Dienstag, 9. September 2014

Beleidigte Leberwurst auf Amerikanisch. Oder: Wenn das Fulton Sheen wüsste...



Dass es beim Thema Reliquien öfters mal zum Streit kommen kann, dürfte bekannt sein.
Als Antonius von Padua starb, stritten sich gleich zwei Städte um seinen Leib. Der derzeitige Streit zwischen dem Erzbistum New York und der Diözese Peoria setzt dem ganzen jedoch die Krone auf:

[...] Der Erzbischof von New York, Timothy Kardinal Dolan, wollte nach Angaben seiner Pressestelle „keine Zerstückelung der Überreste“ Sheens, doch sei es „sehr wahrscheinlich“, dass man bei einer Exhumierung durch das Erzbistum New York „einige Reliquien im Sarg vorhanden sein würden, welche man ohne Störung der Totenruhe achtungsvoll einsammeln könnte“, diese würde man dann bereitwillig weitergeben. Nach dieser Ablehnung gab das Bistum Peoria als Antragssteller dieses Seligsprechungsverfahrens bekannt: „Nach weiterer Diskussion mit Rom wurde entschieden, dass die Causa Sheen dem Historischen Archiv der Kongregation [für Selig- und Heiligsprechungen, Anm. d.Ü.] übergeben werden muss.“ [...]

Es stimmt, die Diözese Peoria, aus der der "Fernseh-Bischof" Fulton Sheen stammt, leitet seit 2003 die Seligsprechung und ist außerdem für eine Nachlasssammlung zuständig, was sehr kostenintensiv ist. Dass man den ganzen Fall "nach Rom" übergibt, überrascht allerdings, da die meisten Bedingungen für die Seligsprechung selbst schon erfüllt sind. 2008 wurden die Dokumente nach Rom gesandt, nachdem das diözesane Verfahren abgeschlossen worden ist, 2012 bestätigte Papst Benedikt XVI. den heroischen Tugendgrad und im Juni diesen Jahres wurde auch ein Wunder von der Kongregation für Selig- und Heiligsprechung offiziell anerkannt. 

Anders als dass man den die Causa Sheen derzeit "auf Eis" legt, weil man über die Antwort aus New York eingeschnappt ist, lässt sich das nicht erklären. Auch im Hinblick auf den Wunsch des Toten, in New York zu bleiben, erweist sich diese Handlung als nichts anderes als kindisch:

[...] „Es ist eine Schande für die Kirche“, äußerte Joan Cunningham, Nichte von Fulton Sheen, gegenüber „NBC News“ über die Anfrage der Diözese Peoria. Sheen „verbrachte einen Gutteil seines Lebens in New York. Er liebte New York und in seinem letzten Willen hatte er festgelegt, dass er in New York beerdigt sein will. Wir haben sehr stark den Eindruck, dass er in New York bleiben sollte“. Sie würde es nicht verstehen können, wenn man seine Wünsche nicht befolge. Um ihren Onkel seligzusprechen „muss man den Leichnam nicht wegfahren“. Möglicherweise habe „Bischof Jenky vergessen, was der Sinn des Ganzen ist. Es geht nicht darum, wo die Knochen sind. Er denkt, er holt ein kräftiges Zugpferd nach Peoria.“ [...]

Wenn man an dieser Stelle bedenkt, dass sich beispielsweise die Bernhards-Kapelle in Baden-Baden, die sich gleich unter dem Geburtsschloss Hohenbaden befindet, ebenfalls mit einer kleineren Reliquie begnügt und trotzdem ein bedeutender Wallfahrtsort im Erzbistum Freiburg ist (wenn auch nicht gerade bekannt), kann man nicht anders als den Vorschlag Dolans als relativ fair zu bezeichnen.


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