Freitag, 5. September 2014

Eugen Sorg: ¨Aus Lust am Töten¨

Im Hinblick auf den IS-Terror wäre es eigentlich recht zynisch, darin irgendwelche ¨bösen Einflüsse¨ der westlichen Kultur zu sehen, die solche Sadisten hervorgebracht habe, wie es regelmäßis aus linken Kreisen heißt, wenn es im Nahen Osten (wieder mal) knallt.

Manche tun es trotzdem - Was Egon Sorg auf der Achse des Guten nach allen Regeln der journalistischen Analyse sauber in deren schon normal gewordenen Absurdität pseudo-gutmenschlich-kulturkritischen Alltäglichkeit zerlegt. Und erkennt einen regelrechten Kult um die eigene Bestialität, ein für alle sichtbarer Sündenfall, der offen als erstrebenswerte Tugend gepriesen wird:

[...] Die Versuche, den Blutkarneval mit verunglückten Lebensläufen und gescheiterter Integration zu erklären, geraten angesichts der Realität zu hilflosem Stammeln. Die Dschihadisten töten nicht weil sie wütend sind oder gekränkt oder verblendet. Sie töten, weil sie können. Die Menschen tragen ein uraltes evolutionäres Erbe an zerstörerischen Neigungen in sich. Der zivilisatorische Prozess besteht darin, diese Impulse zu bändigen, einzugrenzen und zu kanalisieren. Die menschliche Spezies muss sich vor sich selber schützen. Das Gelingen ist ständig gefährdet, die Versuchung zum Chaos begleitet die Geschichte. In Mesopotamien, der Wiege der Humankultur, sind diese Grenzen dieser Tage ausser Kraft gesetzt. Die Tabus sind gebrochen worden, die Pforten zur Unterwelt wurden geöffnet, die Dämonen sind entwichen.

Der Dschihadist ist an keinerlei moralische oder weltliche Gesetze gebunden. Er ist absolut frei. Er nimmt sich Frauen aus den Häusern, die er erobert hat, er schändet sie, bevor er sie tötet oder verkauft. Das Gefühl der Unsterblichkeit durchströmt ihn, wenn er in die panischen Augen des Gefangenen blickt und entscheidet, ob er ihn köpfen, ans Kreuz nageln, erschiessen, lebendig begraben oder am Leben lassen will.

Vor jeder Tat, vor jeder Scheusslichkeit preist er Allah, seinen Gott, er hat das erhebende Empfinden, von diesem legitimiert zu sein. In Wirklichkeit preist er sich selber. Er hat die menschliche Ursünde begangen und sich an Stelle Gottes gesetzt. Vertreten die Kalifat-Jünger in Mesopotamien den wahren Islam, wie sie behaupten? Oder haben sie nichts mit dem Islam zu tun, wie westliche Politiker und einige islamische Würdenträger beschwören? [...]



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