Sonntag, 5. Oktober 2014

Fr. Barron, ¨Cosmos¨ und der Ratzingersche Gottesbeweis

Nach dem Grannenfeldschen und dem Alipinischen nun zu einem anderen Argument für die Existenz und das Wirken Gottes in der Welt, aufgestellt von Fr. Robert Barron.


Hintergrund für dieses Video war die schon einmal erwähnte Doku-Serie ¨Cosmos - A Spacetime Odyssey¨, bei dem nach moderner Manier wieder einmal auf die Kirche als angebliche ¨Feindin der Wissenschaft¨ eingeprügelt wird (ohne natürlich die vielen Wissenschaftler kirchlicherseits zu nennen).

Den ¨Gottesbeweis¨, den Fr. Barron aufbringt, schreibt er Joseph Ratzinger zu. Nach der Meinung des späteren Papstes ist ein deutlicher Aufweis Gottes in der Welt deren eigene ¨intelligible¨(verständliche, einsehbare) Struktur, das heißt nicht nur deren innere Abgestimmtheit, die dem lebenden Wesen überhaupt Leben ermöglicht, sondern auch deren Abgestimmtheit aufeinander, die nicht nur auf eine Ergänzung, sondern auch auf ein gemeinsames Leben und ein mögliches Ziel, nämlich Gott, hinweist.

Okay, das war jetzt eigentlich Thomas von Aquin zusammengefasst. Was soll denn daran so neu sein, dass das jetzt explizit dem Papa emeritus zugeschrieben wird?

Um es ganz offen zu sagen: Dessen inhaltliche Abgestimmtheit, die Ähnlichkeiten mit der ¨barocken Wissenschaft¨ zur Zeit des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz aufweist. Nur mit dem Unterschied, dass dem damaligen Joseph Ratzinger eine größere  Fülle an naturwissenschaftlichen Entdeckungen als auch an geistigen Erfahrungen einer sich fast allmächtig wissenden Empirie vorlag als zur Zeit von Leibniz, in der vieles nicht nur größtenteils theoretisch abgehandelt und in ein harmonisches Weltbild eingefügt wurde, sondern auch Erfahrungen mit einer völlig aus den Bahnen geratenen Vernunft fehlte, wie es Ende des 18. Jh über das 19. Und 20. Jh bis in unsere Zeit der Fall war und leider noch ist.

Ein Paradebeispiel dafür sind die beiden Produzenten hinter ¨Cosmos¨ selbst. Bei beiden ist trotz der oberflächlichen Populäraufklärung anzumerken, dass dieses heiße Eisen nicht mit der ernsthaften Begeisterung eines Thomas von Aquin, Leibniz und Ratzingers behandelt wird. Ihr Bild von Wissenschaft und Aufklärung liegt eher irgendwo zwischen Pessimismus und Vermessenheit.

Seth MacFarlane ist so überzeugt davon, dass ohne explizite (natürlich atheistische)Aufklärung der wissenschaftliche Fortschritt  in Amerika bald vor die Hunde gehen wird, dass er nicht merkt, wie viel und wie erfolgreich in seinem Land geforscht wird. Tendenziell steigend. Ansonsten versucht er das ganze mit einem oberflächlichen Humor zu decken, unter dessen Lack sich eigentlich nur noch Pessimismus befindet (wer die ein oder anderen Interviews mit ihm kennt, dürfte schon die fehlende Freude hinter seinen meist spaßigen Bemerkungen aufgefallen sein).

Und Neil DeGrasse Tyson ist eigentlich damit beschäftigt, ¨Wissenschaft¨ (natürlich was er und die Medien darunter verstehen) mit falschen Fakten zu bestärken. Was nicht wirklich peinlich wäre, hätte er es nicht ein paar Mal mit den einfachsten mathematischen Grundsätzen vergeigt. Was die meisten seiner Fans vor lauter ¨Wissenschaftlichkeit¨ nicht merken.

Dass er so gesehen letztes Jahr zusammen mit Richard Dawkins von Benedikt regelrecht überholt worden ist in Fragen der theoretischen Wissenschaft und der Philosophie dahinter, ist daher sogar dreifach aufsteigend peinlich, wird dem Pontifex Maximus und seiner Kirche doch sofort jede objektive Rationalität abgesprochen...


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