Mittwoch, 8. Oktober 2014

Kirche der Eitelkeiten

"Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren verherlichten Herrn Jesus frei von Menschenrücksichten."
Jak 2,1

"Ein solcher Mensch soll ja nicht meinen, er werde vom Herrn etwas empfangen; ist er doch ein Mann mit geteilter Seele, haltlos auf allen seinen Wegen."
Jak 1,7-8

Schon seit längere Zeit habe ich erhebliche Zweifel daran, ob David Berger wirklich der Autor der theologischen Texte ist, die unter seinem Namen im Umlauf sind. Nicht nur aus der moralischen Sichtweise, dass er bei "zwei Hochzeiten" gleichzeitig tanzte (wie das eine Kommentatorin auf kath.net mal so schön nannte), also einmal für eine konservative Zeitschrift Theologisches Artikel über traditionelle kirchliche Themen verfasste (und gleichzeitig den Begriff "Traditionalismus" verteidigte) und gleichzeitig das Gegenteil davon auslebte, wenn er sich als promiskuitiver Homosexueller bei Facebook anbot. Was übrigens rein zufällig herauskam und durch ein nachträgliches Coming-out gerechtfertigt werden sollte, als sich die Vorwürfe immer weiter verfestigten.

Nein, der größere Zweifel meinerseits liegt gerade darin, dass er sofort alles, was er bei Theologisches geleistet hat (und wer seine wirklich großartigen Texte kennt, weiß, was ich meine) über Bord geworfen hat und seither von Seite der LGBT-Lobby auf die Kirche einprügelt, was unter anderem durch sein Buch "Der heilige Schein" deutlich werden sollte.

 Nun gelang ihm ein weiterer Geniestreich: Hatte er schon einmal behauptet, dass Papst Benedikt XVI. "eindeutig homosexuell" ist (und auch Sicht der Homo-Lobby sind die meisten Homophoben angeblich selbst homosexuell) und es weiterhin 40% der Priester innerhalb der katholischen Kirche sind (wie er das angeblich herausgefunden hat, ist er uns bis heute noch schuldig - auf empirischen Wege kann es jedenfalls nicht zustande gekommen sein), so stellt er die These auf, das "schwule Priester perfekt für die katholische Kirche" seien. Sein Argument:

„Der katholische Priester ist durch den Zölibat unverheiratet, lebt in einer Männergesellschaft. Die feierlichen, monarchistischen Zeremonien und priesterlichen Kleidungen, der sogenannte Operetten-Katholizismus, wirken unglaublich anziehend auf viele schwule Männer.“

Man könnte das eigentlich für eine gute Satire halten. Wären da nicht schon öfters ähnliche Bemerkungen gewesen, unter anderem die wie viel die Kirche (explizit) schwulen Priestern in Kunst und Kultur zu verdanken habe. Wo wiederum empirische Hinweise darauf fehlen, wie viel und in welchem Ausmaß sie überhaupt etwas in diesen Themenfeldern geleistet haben. Also wieder mal das rhetorische Muster: "Ihr habt ihnen sooooo viel zu verdanken, also haltet bitte die Fresse mit eurer Kritik." Wo auch nie auf entsprechende "Fakten" weiter eingegangen wird, sondern man sich immer nur auf den stereotypen "Kultur-Schwulen" beruft, der scheinbar mehr als alle anderen leisten kann. Was nicht unbedingt an seiner "sexuellen Orientierung" liegen muss... - interessiert aber eh niemanden.

Die eigentliche Gefahr liegt hier weniger in der sexuellen Neigung der Kandidaten, die Berger hier empfiehlt, als in den Motiven und Vorteilen, die er als "anziehend" (sic!) auflistet. Es handelt sich dabei eigentlich nur um Äußerlichkeiten, die nicht auf die Person an sich, sondern auf Christus den Hoherpriester, Menschenlehrer und Gottessohn in der Einheit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ausgerichtet sind und die den Sinn haben, auch "sinnlich" auf ihn hinzuführen. Die Herzen werden also nicht nur durch innerlichen Glauben, sondern auch durch den äußeren Kult, in dem der Glaube mündet, "erhoben" (wie in der Messe ausdrücklich  vom Priester an die Gemeinde hervorgehoben). David Bergers Kultur-Katholizismus dagegen zielt auf die individuellen Priester an sich und ihre Vorlieben, im weiteren Sinne auf ihre eigenen kleinen Eitelkeiten, der Rest ist irgendwie Nebensache. Solange man Balsam für das eigene Selbstbewusstsein bekommt (man vergleiche auch dazu die Paraden Demonstrationszüge des jährlichen CSD), ist ja alles okay. 

Nur problematisch wird das Ganze, wenn man darin gekränkt wird, wie man es auch nach dem unehrenhaften Abgang von David Berger sehen kann. Von Priester(-amtskandidaten) erwartet man, dass sie eine gefestigte Persönlichkeit haben, spätestens innerhalb des Seminares, wo die Seminaristen eigentlich nach ihrer Eignung überprüft werden sollen und sie genug Zeit haben, es sich noch einmal anders zu überlegen. 
Speziell bei LGBT-Homosexuellen wird die eigene Homosexualität meist zu einer eigenen Identität erhoben, ein Umstand, der bei Heterosexuellen (selbst bei den größten Machos) generell nicht auftritt. Geht es dann um persönlichen Verzicht, besonders um den sexuellen, dürfte das ein Problem darstellen, an das Herr Berger bei obigen Zitat scheinbar nicht nachgedacht, sondern versucht hat, auf eine ziemlich grobe Art den heterosexuellen Zölibat zu umschiffen und eine Art homosexuellen Zölibat als Alternative anbietet. Einer totalen Umformung des Berufenen zu seinem Dienst gegenüber, wie beispielsweise der Hl. Ignatius von Loyola fordert, könnte das ein Hindernis darstellen. 

Kommt dann noch der Umstand hinzu, dass mit dem anfänglichen art-pour-l´art-Bild des Priesters ein Narzissmus hochgezüchtet wird, der nicht weiter behandelt wird, wird das garantiert schwere Konsequenzen nach sich ziehen, wenn sich dieser "unrechtmäßig" von "der Obrigkeit" behandelt sieht und noch andere mit den gleichen Ansichten in diese Zwietracht mit hinein zieht. Bespiel aus Apostolischer Zeit stellen der Jakobus-, der Judas- und der 3. Johannesbrief dar, in denen immer wieder von Spannungen und Verleumdungen berichtet wird - weil die Erwartungen bestimmter Personen nicht erfüllt worden sind und diese begannen, andere durch Lügen und persönliche Gehässigkeiten gegen die Gesamtkirche aufzuwiegeln, deren Endergebnis entweder Lieblosigkeiten oder im schärfsten Fall die Verdrehung gegenüber der apostolischen Verkündigung darstellte. Vor denen alle drei Verfasser warnten, da dies eine eindeutige Opposition zum Geiste Gottes darstellt, zu dessen Früchten Wahrheit und die Liebe zum Nächsten gehören. Fällt eine dieser Bedingungen, wird auch das Verhältnis zu Gott immer mehr getrübt bis zur seelischen Blindheit. 

Diesen Vorgang beschreibt man als Todsünde. Und es steht außer Zweifel, dass sich David Berger in einem solchen Zustand befindet und versucht, noch andere in diese "Kirche der Eitelkeiten" mit hineinzuziehen.


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