Donnerstag, 6. November 2014

Die Datenschleuder und der Islamist

An sich ist ja Youtube nichts schlechtes, im Gegenteil. Auf einer Plattform, auf der man (fast) alle möglichen Videos einstellen kann, kann man bei gelegentlichen Recherchen nach Beispielen, Vorträgen oder Reportagen suchen, man kann sich bei Tutorials weiterbilden oder einfach nur alte Spielfilme ansehen oder Trailer weiterreichen.

Andererseits lässt man unter den Vorsatz, eine freie Plattform zu bieten, eigentlich wirklich ALLES mögliche durchgehen. Beim Copyright wird schnell durchgegriffen, bei fragwürdigen Videos, die andere diffamieren oder zu Hass aufrufen oder gar Schändungen konsekrierter Hostien zeigen, wird nur nachlässig auf Beschwerde gehandelt, obwohl der Inhalt offensichtlich sein dürfte.

In diesem Punkt ist es daher mehr als befremdlich, wie man auch in solchen Fällen wichtige Daten einfach so verschleudern kann, wie es jetzt bei einem Youtube-Kanal passiert ist, bei dem Sabatina James mitarbeitet. Denn dort wurden persönliche Informationen an Islamisten weitergereicht - trotz ernsthaft begründeten Verdachtes.


[...] Die Reaktion der Islamisten sei schnell gekommen, sagt Sabatina James. Schon zwei Tage später erhielt Al Hayat eine E-Mail, in der sich „FirstCrist, Copyright“ über die erfolgreiche Transaktion mit Youtube freut: „Danke für deine persönlichen Daten. Diese werden wir mit einem Bild deines Senders ,Alhayattvnet‘ auf den Websites von Al Qaida und anderen europäischen Dschihadisten posten: In deinem Sender beschimpfst du den Propheten des Islams und sagst, er sei ein Verrückter und ein Verbrecher. Pass auf deinen Kopf auf und sorge jetzt schon dafür, dass dein Haus unter Polizeischutz gestellt wird!“

Auf dem erwähnten Bild sind Sabatina James und Barino Barsoum zu sehen. Die Botschaft ist schlicht: Wenn man liest oder hört „Pass auf deinen Kopf auf“, versteht man im Arabischen, dass man eine Morddrohung erhalten hat. Polizei und Verfassungsschutz sind eingeschaltet, und der gefährdete Mitarbeiter von Al Hayat TV ist untergetaucht. Sabatina James sagt dazu knapp: „Er kommt damit zurecht, er ist selbst Araber, er kennt seine Brüder.“

Und wie kommen Youtube und Google damit zurecht? Sie ziehen sich in solchen Fällen auf ihre Rolle als Host-Provider zurück. Ein Host-Provider lehnt eine generelle Überprüfungspflicht ab, erst wenn Kenntnis über eine Rechtsverletzung vorliegt, trifft den Anbieter eine Pflicht zum Tätigwerden.
[...]


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