Dienstag, 4. November 2014

Zu Allerseelen: ¨Über die Buße¨ aus den ¨Canterbury Tales¨ von Geoffrey Chaucer

Auch wenn man sich mit den ¨Canterbury Tales¨ von Geoffrey Chaucer näher beschäftigt (und sie bis zum geistigen Überdruss kopiert), sie bleiben gerade wegen ihrer Heterogenität und ihrer Verschiedenheit ein Rätsel im Hinblick auf die heutige ständige Version auf konkrete Botschaften und ideelle überzeitliche immanente Aussagen, denen sich die teils heroischen, teils derben, teils phantasie- und humorvollen Geschcihten wiedersetzen.

Wäre da nicht am Ende die ¨Erzählung des Pfarrers¨(¨Parson´s Tale¨), die alle anderen Geschichten vor dem Abschied des Autors und dessen Empfehlung für Gebet und Fürbitte des Lesers abrundet und abschließt.

Allgemein handelt es sich bei diesem einzigen Prosawerk in den ¨Canterbury Tales¨ (wofür sich der Priester zuerst einmal entschuldigt, da er der lokalen Lyrik nicht mächtig ist) um eine Darstellung der Sieben Todsünden und deren Gegenmittel (remedii), die in der Erklärung der wahren Buße abschließt und deren ewigen Früchte aufzeigt.


[...] Mangel an Hoffnung ist zwiefacher Art. Die erste ist die Hoffnungslosigkeit auf die Gnade Gottes; die andere ist zu denken, dass man nicht länger im Guten ausharren könne. Die erste Hoffnungslosigkeit kommt daher, dass man wähnt, man habe so schwer und so oft gesündigt und so lange in Sünden gelegen, dass man nicht errettet werden könne.

Gewiss, gegen diese verfluchte Hoffnungslosigkeit sollte man denken, dass die Passion Jesu Christi stärker ist, uns zu lösen, als es die Sünde ist, uns zu binden. Gegen die zweite Hoffnungslosigkeit soll amn denken, dass, so oft man fällt, man sich auch ebensooft durch die Beichte wieder erheben kann; und ob man noch so lange in Sünden gelegen hat, die Gnade Christi ist immer bereit, uns aufzunehmen und zu verzeihen.

Gegen jene Hoffnungslosigkeit, nicht im Guten ausharren zu können, soll man denken, dass die Schwachheit des Teufels nichst vermag, wenn der Mensch es nicht dulden will; und er wird auch Stärke durch die Hilfe Jesu Christi finden und seiner ganzen Kirche und durch den Schutz von Engeln, wenn er will. Dann sollen die Menschen verstehen, was die Frucht der Buße ist; und nach den Worten Jesu Christi ist sie die endlose Seligkeit des Himmels, wo Freude den Gegensatz zu Leid und Kummer nicht kennt. 

Dort sind alle Leiden des gegenwärtigen Lebens vorbei; dort ist Sicherheit vor den Strafen der Hölle; dort ist die segensvolle Gemeinschaft, die sich an der Freude  anderer immerdar erfreut; dort scheint der Menschenleib, der einst garstig und dunkel war, heller denn die Sonne; dort ist der Leib, der einst gebrechlich, krank, schwach und sterblich war, unsterblich und so stark und kräftig, dass ihm nichts widerfahren kann; dort ist weder Hunger noch Durst noch Kälte, sondern jede Seele wird erfüllt durch den Anblick und das vollständige Schauen Gottes! 

Dieses Segensreich können die Menschen durch geistige Armut erkaufen; die Herrlichkeit durch Niedrigkeit; die Überfülle der Freude durch Hunger und Durst und die Ruhe durch Arbeit und das Leben durch den Tod und die Ertötung der Sünde.


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