Freitag, 19. Dezember 2014

In your Face, Peter Singer. In. Your. Face.

Noch mal zu meinem Lieblingsphilosophen (natürlich leicht sakastisch gemeint) Peter Singer: Nach Meinung von Marco Visscher könnte es jetzt nicht nur von Seiten der Wissenschaftstheorie, sondern auch der Empirie eng werden. Aber wie es bei Ideologen halt so ist: Es wird eh nicht viel ändern.

[...] Einige Wissenschaftler nehmen diesen Ansatz beim Wort. Sie plädieren dafür, den Schimpansen in die Gattung „Homo“ aufzunehmen (zu der wir, der Sapiens, gehören) statt sie weiter als „Pan“ zu führen. In dieselbe Richtung geht ein Club Gelehrter hinter dem Great Ape Project, die den Menschenaffen einige Grundrechte zuerkennen möchte und sie damit in einer „Gemeinschaft Gleicher“ begrüßen will – zusammen mit Menschen wie Ihnen und mir.

Wenn man sich die Mühe macht, die Behauptungen auf Grundlage dieser ganzen seltsamen Studien mit ihrem trockenen wissenschaftlichen Kern abzugleichen, merkt man schnell, dass die Schlagzeilen kaum taugen. (Keine Angst, Sekundarschüler schneiden in Mathe in Wirklichkeit besser ab als Schimpansen.) Und oft haben sie auch keinen Neuigkeitswert. Was soll denn daran besonders sein, dass einige Affen eine Art „moralisches Verhalten“ an den Tag legen? Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass Verhaltensweisen wie Uneigennützigkeit, Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit evolutionär von Nutzen sind, indem sie Zusammenhalt und Stärke einer Gruppe fördern.


Und was die Übereinstimmungen im Gencode betrifft: Klar, 98 Prozent sind eine Menge, aber zu 60 Prozent entspricht unsere DNA auch der von Goldfischen und zu 50 Prozent der von Fruchtfliegen und Bananen. Betrachten wir diese deshalb als Halbmenschen? Wir sollten uns eine grundlegende Frage stellen: Ist es nicht verrückt, wenn ganze Gesellschaften sich an der Vorstellung berauschen, wie sehr wir Affen ähneln? Es mag harmlos wirken, vielleicht aber symbolisiert die Neigung, Affen und Menschen ständig auf eine Stufe stellen, dass wir gar nicht mehr so genau wissen, was das Menschsein eigentlich auszeichnet. Viel kann es wohl nicht sein.

Ich habe nichts gegen Menschenaffen – meine besten Freunde stammen von ihnen ab. Aber die Aufwertung dieser ganzen (Zwerg-)Schimpansen könnte durchaus ein Signal dafür sein, wie satt wir die Menschheit haben. So ein labiles Menschbild scheint mir der Vorbote negativer Entwicklungen zu sein, dann damit gefährden wir den Glauben an Veränderung und Fortschritt gleich mit. [...]


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