Freitag, 19. Dezember 2014

Maria, das Gegenbild zum promethischen Menschen



[...] In dieser Sicht tritt Maria dem Mythos Prometheus in genauer Entsprechung als Gegen-Symbol gegenüber. Prometheus wird zum symbolhaften Titanen durch die eigenmächtige Revolte gegen Gott, in der er Gott volles Selbstbewußtsein und männliche Tathärte entgegensetzt. Marias Haltung ist die Demut des Kindes, die jedoch in bewußtem Ja und in der unbedingten, niemals zurückgenommenen Bejahung des Gotteswillens den Bereich des naiv Kindlichen ebenso überschreitet und zur vollendeten Reife der Schönheit der Frau auf den Wolken gelangt. Damit ist Maria der Prototyp, Bild der vollendeten christlichen Haltung, die der ebenso ausgesprochenen prometheischen Versagung gegen Gott entgegentritt. Die Kirche feiert Maria über alles Gefühlsmäßige hinaus als die Kraft, die wirklich der Schlange den Kopf zertritt, die Irrtümer besiegt, die im Laufe der Kirchen-Zeit mit der christlichen Wahrheit in Widerstreit geraten. Sie wendet auf sie geradezu das Schriftwort an: »Furchtbar bist du wie ein geordnetes Kriegsheer« (Hoheslied).

Mit »Prometheus« und »Maria« sind also zwei einander von der Wurzel an grundverschiedene Letzthaltungen versinnbildet. Hat der Geist der Zeit bisher unter dem Zeichen des »Prometheus« gestanden, so ruft die Einsicht in das Scheitern dieses Geistes ihn zu einer Kehre hin zum Gegen-Zeichen »Maria«.
[...]
Quelle (obig zitierter zweiter Teil folgt noch)


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