Samstag, 27. Dezember 2014

Menschliche Seele und universelle Menschenrechte

Keine Ahnung, was Femen und diverse LGBT-Aktivisten erreichen wollen, wenn sie davon sprechen, dass die Kirche die "universellen Menschenrechte anerkennen" soll. Die hat sie doch damals selbst deklariert - und das unter den krassesten Widerständen, allen voran von Seiten der "Humanisten", die drauf und dran waren, den Menschen immer mehr zu biologisieren.

An den beiden letzten Adventssonntagen des Jahres 1511 hielt der Dominikanerbruder Antonio de Montesino eine Drohbotschaftspredigt in der Hauptkirche von Santo Domingo, heute Dominkanische Republik.

Der Prediger klagte als „Stimme eines Rufers in der Wüste“ die spanischen Kolonisten an, indem er ihnen ihre „Todsünden an den Indianern“ vor Augen führte: 
tyrannische Grausamkeit gegen die unschuldigen Indios, entsetzliche Sklaverei, bedrückende Unterjochung, abscheuliche Kriege. „Die Indios sterben an der übermäßigen Zwangsarbeit, nein, ihr tötet sie mit eurem habgierigen Verlangen, jeden Tag Gold zu fördern und euch anzueignen“ – so der geistliche Ankläger.

Und dann die berühmten Sätze: „Sind sie keine Menschen? Haben die Indios keine Vernunft und keine Seele?“

Gegen alle Anfeindungen und Erpressungen erreichte der Prediger durch eine Unterredung beim spanischen König Ferdinand erste gesetzliche Regelungen für humanen Umgang mit den Indios in der Neuen Welt. Die Dominikaner konnten aber keine strukturellen Änderungen an dem sklavenhalterischen System der spanischen Kolonisten erwirken.

Gleichwohl war diese Predigt der Auftakt zu einem lang andauernden Kampf der Kirchenleute für Menschenwürde und Gerechtigkeit, Nächstenliebe und respektvolle Mission bei den Indios.

Zur gleichen Zeit erwuchsen den kirchlichen Missionsorden in Europa mächtige ideologische Gegner, die die Position der spanischen Kolonisten unterstützten. Im Zuge der Renaissance-Kultur machte sich ein Überlegenheitsdenken bei den damaligen „Humanisten“ breit. Der in Paris lehrende Aristoteliker schottischer Herkunft, John Mayor (+1550) hatte 1509 das folgende Vergleichsmuster vorgegeben:
Die zivilisierten Spanier hätten über die Indios das gleiche Herrschaftsrecht wie in der Antike die gebildeten Griechen über die Barbaren, da jene Völker „Sklaven von Natur aus“ seien. In Bezug auf die Kolonisation der neuen Welt war der argumentative Rückgriff auf die antiken Sklavenhalterkulturen Kern der Renaissance als ‚Wiedergeburt der Antike’.
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