Samstag, 17. Januar 2015

Bekenntnisse eines Atheisten. Oder: Wie Dawkins und Co. ticken.

Ich lungere wieder mal in einem Forum herum, bei dem Threat "Sind Religionen schädlich?" lese ich das Kommentar:

[...] Atheisten müssen den Theisten ihre Meinung "aufs Auge drücken", weil sie noch immer mehr oder weniger die tablierte Norm sind. Und das zu Unrecht, wie ich finde. Würden "wir" die Theisten nicht ständig herausfordern, dann würden wir wahrscheinlich noch immer im Mittelalter leben. Und der Atheismus ist keine Ideologie, er basiert nicht auf Glaubensgrundsätzen, sondern auf simpler Beobachtung. [...]


Das kann ich natürlich nicht so stehen lassen. Ich schreibe ein Gegenkommentar, in dem ich zunächst kritisiere, dass Atheismus und Empirie/Wissenschaft an sich wieder mal gleichgestellt werden, obwohl es sich bei Atheismus in diesem Sinne lediglich schon um eine Auslegungsart, nicht um Empirie per se handelt.

Das mit dem Mittelalter kann ich natürlich auch nicht so stehen lassen und fahre ich die mediävistisch- und kirchengeschichtlichen Geschütze auf, nachdem ich darauf hingewiesen habe, dass der vulgäre Kreationismus im Mittelalter eben nicht wirklich vorherrschend war, auf den sich heute so viele Kirchengegner berufen:

[...] Und noch mal zum Thema Wissenschaft: Es war übrigens ein leicht mystisch veranlagter Franziskanermönch, der die empirische Methode im Mittelalter hoffähig machte. Zu irgendwelchen Atheisten, die den Menschen "aus dem Mittelalter" verholfen haben sollen, habe ich bisher leider noch nichts gefunden. Auch die bedeutendsten Humanisten wie Erasmus von Rotterdam und Thomas More (auf dessen Satire übrigens der Begriff "Utopia") zurückgeht, waren bekennende Christen (letzterer wurde übrigens von der Kirche heiliggesprochen), die mit kritischer Forschung eigentlich keine Probleme hatten.

Sollten aber trotzdem Atheisten daran beteiligt gewesen sein, dann wäre ich erfreut, wenn du einige auch aufzählen kannst. 


Das typische Theater folgt: Der aus dem vorherigen Kommentar reißt einen Teil meines Kommentars aus dem Zusammenhang und unterstellt mir die Behauptung, dass ich der Meinung sei, Atheismus sei unabhängig vom Theismus entstanden. Was ich natürlich nicht auf mir sitzen lasse und ihn darauf hinweise, dass er eine eher marginale Bemerkung vollkommen aus dem Kontext gerissen habe. Ich wiederhole noch mal ganz deutlich meine Ansicht und füge eher als ironische Bemerkung das noch hinzu, um mein Gegenüber noch ein wenig zurückzuärgern:

[...] Wäre übrigens nett, wenn du auch die Atheisten aufzählen kannst, die die Menschen angeblich aus dem Mittelalter führten [Smiley]

Ehrlich gesagt habe ich eher erwartet, dass unser Dawkins-Hitchens-Fan wieder mal ausweicht oder das Posting ignoriert. Die Bemerkung, die dann kam, war dann doch sehr überraschend:

Das war ein metaphorisches Mittelalter, deswegen bin ich auf den Teil auch nicht eingegangen. Nur ein rhetorisches Stilmittel. Ich hätte genausogut "Steinzeit" sagen können oder irgendwas. Natürlich waren die meisten Wissenschaftler Theisten, einfach weil das für lange Zeit zum akzeptierten Weltbild gehörte. Beim Großteil dieser Erkenntnisse ging es ja nichtmal um diese Frage, sondern eher um, auf dieses Thema bezogen, Kleinigkeiten. Wer um was kreist und so weiter, aber das sagt ja nichts über einen Schöpfer aus, nur darüber wie "seine" Welt funktioniert.

Plötzlich ziehen all die berühmten atheistischen Polemiker an meinem geistigen Auge vorbei, Nietzsche und Schopenhauer, Russell und Harris, Dawkins und Schmidt-Salomon, allen voran unser kleiner Technokratiefreund, der ab und an in seinen Kommentaren die Ausrottung der Geisteswissenschaften fordert, und es wird mir klar: Das ist alles nur ein rhetorisches Glasperlenspiel, das von der persönlich erfahrbaren Realität ablenken soll. Und das kam alles nur dadurch heraus, dass er nicht mit der ihm so verhassten Geschichtswissenschaft zurecht kam.

Ich bin vollkommen fassungslos, wie leicht das eigentlich war. Ein leichtes Grinsen macht sich auf meinem Gesicht immer breiter und ich denke mir nur noch:




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