Donnerstag, 15. Januar 2015

Charlie ist nicht wir


[...] Nicht im christlichen Glauben sehen sie [die Muslime] die eigentliche Bedrohung ihrer Identität, sondern in der Verachtung Gottes und in dem Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht und Nutzen für zukünftige Erfolge der Forschung zum letzten Maßstab erhebt.

Liebe Freunde!
Dieser Zynismus ist nicht die Art der Toleranz und von kultureller Offenheit, auf die die Völker warten und wir alle wünschen. [...]
Benedikt XVI., 10. September 2010 (zwei Tage vor dem "Fall Regensburg")


Man muss bei der Reaktion auf den Terror in Paris, besonders beim Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo zwei Dinge bedenken: Einerseits gibt es die Solidarität aus Trauer, der ich mich in einem vergangenen Posting angeschlossen habe. Andererseits gibt es die ideologische Solidarität. Bei den ersten Meldungen über die Kundgebungen bezüglich der Tötung der Redaktionsmitglieder ging man davon aus, dass beides identisch wäre, wenn es auf einmal hieß "Wir sind Charlie" - "Ihr könnt uns unsere Meinung nicht verbieten."

Inzwischen dürfte sich Ernüchterung darüber breit machen, dass es in diesem Falle so etwas wie "unsere Meinung - Charlie Hebdo" nicht wirklich geben kann, spätestens seit der Bemerkung eines Karikaturisten, der auf die freundschaftlich gemeinte Solidarisierung am liebsten "kotzen" würde oder der zum Gottesdienst von Papst Franziskus, in deren Gebet er die Verstorbenen und die Hinterbliebenen aufnahm.

Was ebenfalls befremdlich ist: Die jetzige Sonderauflage beinhaltet nicht nur Karikaturen zum jüngsten Geschehen - sprich: zum Thema Islamismus und Terror -, sondern ebenfalls Zeichnungen, die sich generell über Muslime, aber auch Juden und Christen lustig machen und von Religionsverachtung unter dem Deckmäntelchen der "Fanatismuskritik" nur so strotzen. Dass jetzt ebenfalls in Deutschland ein "noch mehr!" an Satire gefordert wird, obwohl dies zur Zeit mehr als kontraproduktiv sein dürfte, dürfte auch nicht wirklich überraschen - "Europas Musterknabe" würde sogar eine A****bombe in ein leeres Schwimmbecken machen, wenn alle anderen das als förderlich empfinden würden.

Was dem Empfinden der Redaktion wohl eher entspricht wäre der derzeitige typische vulgäre Säkularatheismus, der wieder mal nach solchen Aktionen aus seinen Löchern kriecht und zu dem inzwischen schon Josef Bordat einen hervorragenden Artikel verfasst hat.

Was ebenfalls an der Stelle klar sein dürfte: Alle derzeitigen Proteste und Satiren können den islamistischen Terror nicht aufhalten. Es wird wohl nicht mehr trotz, sondern gerade wegen dieses offen gezeigten Zynismus bald wieder zu einem Anschlag in Frankreich kommen. Und wahrscheinlich auch in Deutschland.


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