Montag, 2. Februar 2015

Fast wie Popcorn-Kino: Die Entlarvung der "Seherin" Maria Devine Mercy

Liest sich wie ein Kriminalbericht, hat den Anschein einer Lachnummer und wurde doch von vielen Katholiken geglaubt: Maria Devine Mercy. Jetzt ist der Unsinn scheinbar am Ende - und weist letztendlich viele Parallelen zu diversen Häresien auf, die auch regelmäßig von Medien Gebrauch machten. Nur dass diese mit Blödsinn verticken vorsichtiger gewesen sind - na ja, außer die "Ihr-wisst-schon-wer"...

[...] So verkamen die „himmlischen Offenbarungen“ immer mehr zur Lachnummer unter Insidern, die sich darüber mokierten, dass weder die Prophetin noch ihre himmlischen Quellen – darunter Gottvater selbst! – die Heilige Schrift oder das kirchliche Brauchtum genauer zu kennen schienen. So waren bei „Maria Divine Mercy“ gleich alle zwölf Jünger des Herrn arme Fischer (so offenbart am 1.9.2013; tatsächlich waren nur vier der zwölf Apostel Fischer), während eine Novene bei ihr nur sieben Tage lang gebetet wird (so laut Botschaft vom 1. Dezember 2013). [...]

Ebenso absurd mutete auch ihr neues Betätigungsfeld an: Medaillen-Verkauf. Der wirklich kein ernst zu nehmendes Vorbild innerhalb der Kirche hat:

[...] Stattdessen war die Seherin 2014 vor allem damit beschäftigt, ihre „Medaille der Erlösung“ zu promoten und unter das gläubige Volk zu bringen. [...]

[...] Im Juni 2014 schließlich kam die lange angekündigte Devotionalie auch endlich auf den Markt. Das Design stammte von dem gleichen Werbe- und Firmenlogo-Designer in San Diego/Kalifornien, der auch das „Siegel des Lebendigen Gottes“ entworfen hat, ein Blatt Papier mit einem speziellen Gebet und einem roten Siegel, das dem Besitzer Schutz vor dem Antichristen garantieren soll. Auf der Vorderseite zeigt sie die Gottesmutter mit gefalteten Händen und der Dornenkrone auf dem Haupt, auf der Rückseite durchkreuzt ein „S“ wie eine Schlange das „M“ Mariens, dessen vertikale Balken dem ganzen das Erscheinungsbild eines Dollarzeichens verleihen. Abgerundet wird das Design durch zwei gekreuzte Schwerter, was irgendwie an Offenbarung 12 erinnern soll, obwohl dort von nur einem Schwert die Rede ist; die „Frau der zwei Schwerter“ kennen wir eher aus den Tarotkarten des britischen Freimaurers Arthur Edward Waite.

Doch was an der Medaille, die „Milliarden“ Menschen erlösen soll, vor allem erstaunte, war ihr Preis, der bei einem stolzen Euro pro Stück liegen sollte. Und da sich die irische Seherin nicht mit Kleingeld abgibt, wurden die Medaillen auch nur in Tüten a 25 Stück, also für 25 Euro Mindestbestellwert abgegeben. Zum Vergleich: Die „Wundertätige Medaille“ der Katharina Labouré wird für 10 Cent/Stück vertrieben, das Heiligtum in der Rue du Bac in Paris verschickt sie sogar gratis, allein gegen einen frankierten Rückumschlag.
[...]


1 Kommentar:

  1. Uff, dieses "Siegel des Lebendigen Gottes" begegnete mir auch neulich. "Kennen Sie das schon, das brauchen Sie unbedingt!" Da wusste ich auch nicht, was ich sagen sollte und habe das Bildchen dankend angenommen, ich wollte die freundliche Dame ja auch nicht kränken. Wie man wohl am besten mit soetwas umgeht? Man muss ja den Leuten vielleicht nicht unbedingt jede zweifelhafte Andacht madig machen, aber bei derlei plumpen Betrug ...

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