Montag, 2. März 2015

IS: Thema verfehlt

Es dürfte bekannt sein, dass bei der Berichterstattung um den Islamischen Staat (IS) so einige ziemlich blöde "Pannen" passiert sind. Zuerst war da die Sache, dass man erst nach gut zwei Monaten in den breiten Medien mitbekommen hat, dass da in Syrien und im Irak was nicht stimmt - nachdem es mehrmals Hilferufe vom dortigen Patriarchen gegeben hat, dass man Massaker an Christen verübt und der Westen ihnen unbedingt helfen muss.

Wochen später hieß es dann, es würde "angeblich" Massaker geben, um dann wieder längere Zeit später festzustellen, dass es auch wirklich so ist - während die Berichte über das Abschlachten von Christen, Jesiden und Kurden immer grausamer werden. Vor einigen Wochen hat dann auch die UN gemerkt, dass es zu "Menschenrechtverstößen" gekommen ist.

Dagegen reagiert man in den Medien sofort auf die Zerstörung von "Kulturgütern". Was Burkhard Müller-Ullrich zurecht ziemlich verstörend findet:

Die Terroraktionen des Islamischen Staats und ähnlich fanatischer Truppen wie Boko Haram sind von so exorbitanter Gräßlichkeit, daß wir uns in acht nehmen müssen, unser Gefühls- und Vernunft-Maß nicht zu verlieren. Da werden Menschen vor laufenden Kameras geköpft und bei lebendigem Leib verbrannt, halbe Dörfer werden hingemetzelt, es wird gekreuzigt und gefoltert, und es werden auch Kulturgüter zerstört. Das sagt sich so in einem Satz dahin, aber verbietet sich nicht eigentlich diese Aneinanderreihung, diese aufzählende Gleichstellung von Menschen und Material?

Kein Zweifel: die Empörung über die Zerstörung von Kulturgütern ist berechtigt, aber die Meldungen, die davon handeln, haben einen fatalen Beigeschmack. Es ist, als würde man den Holocaust vor allem unter dem Aspekt der Raubkunst betrachten – was in unseren Medien ja schon manchmal geschieht. Statt der Gaskammern sind dann eigentumsrechtliche Fragen und der nicht sachgemäße Transport von Gemälden das Hauptproblem.
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